NC Sheabutter

Unser Besuch in Burkina Faso

Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Sheabutter eine geeignete Alternative zum Palmöl in unseren Brühwürfeln gefunden haben. Die Sheabutter beziehen wir zum größten Teil aus zwei selbstorganisierten Frauenprojekten aus Burkina Faso, von Ragussi und ABPJF. Im September hatten meine Kollegin Eva aus dem Einkauf und ich, Maja aus dem Brand Management Natur Compagnie, die Möglichkeit, uns in Burkina Faso ein eigenes Bild über die Herstellung unserer Sheabutter, die Arbeitsbedingungen, die sozialen Projekte, die Qualitätssicherung, die Rückverfolgbarkeit und vieles mehr direkt vor Ort zu machen. Begleitet wurden wir von Franziska von All Organic Trading (unserem Öllieferanten aus dem Allgäu) und Hans Peter, der bereits viele Entwicklungshilfe-Projekte bei Rapunzel in verschiedenen Ländern aufgebaut und betreut hat.

Wir haben schon viele Informationen von unserem Lieferanten, der die Frauenprojekte seit Jahren betreut, erhalten. Über die Herstellung der Sheabutter, die wichtigen Alphabetisierungsprogramme, die Armut in Burkina Faso und die Relevanz der Projekte für die Frauen dort.

Davon wollten wir uns vor Ort persönlich überzeugen.

In Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos angekommen, wurden wir von Gaosu in Empfang genommen. Gaosu arbeitet bei Burkina Nature und unterstützt und vermittelt sozial angebaute und verarbeitete Bio-Erzeugnisse aus Burkina Faso wie unsere Sheabutter, Mango, Sesam, Cashewnüsse und Sesam. Er begleitete uns die knappe Woche in Burkina, hat die Termine vereinbart und uns einiges über die kulturellen Besonderheiten beigebracht und uns mit seiner herzlichen und hilfsbereiten Art sehr unterstützt.

Wir haben die Woche genutzt, um uns die zwei Manufakturen und das Dorf der Sammlerinnen genau anzuschauen und Land und Leute etwas kennenzulernen.

Im folgende gehe ich, analog unserer Reise, auf die folgenden Punkte noch einmal genauer ein:

1) Das Dorf der Sammlerinnen

     Begrüßung

     Die Sammlung

     Kochen und Sortieren der Nüsse im Dorf.

     Die Kinder

     Das Geschenk

     Der Dorfladen

2) Die Sheabutter-Herstellung

3) Die Schule

4) Gemeinsames Kochen (Natur Compagnie meets Igname)

5) Interviews

   Interview mit Ouednaoga Asseta, 84 Jahre alt

   Interview mit Ilboudo G. Fati Nr. 1

 

 

Das Dorf der Sammlerinnen

 

Die Begrüßung 

 

Zur Begrüßung ist es üblich, sich erst einmal zu setzen, zu warten bis alle da sind und sich gegenseitig bekannt zu machen. Wir setzen uns auf eine Bank in den Schatten eines großen Baumes.

Zur Begrüßung werden schöne afrikanische Lieder gesungen und es gibt zwei Schüsseln mit zwei verschiedenen Wasserarten, die herumgereicht werden. Eine Schale ist mit normalem Wasser gefüllt, die zweite Schale ist mit Hafer und Rohrohrzucker versetztem Wasser gefüllt. Normalerweise wird kein Zucker zugefügt. Da sie aber wissen, dass den Ausländern das sonst nicht so gut schmeckt, fügen sie es hinzu. Wir schauen uns kurz an, da wir ja vor der Abreise allen versprochen hatten, auf uns aufzupassen und natürlich kein Wasser zu trinken, das nicht abgepackt ist. Dieses ist es definitiv nicht. Ganz egal, denken wir uns. Wird schon nichts passieren. Und immerhin sind wir ja nicht so leichtsinnig, in die Nähe lebender Vögel zu gehen oder sie zu berühren, wovon das ausländische Amt aufgrund der Vogelgrippe-Gefahr warnt. Das denken wir zumindest noch.

Bild: Eva im Dorf der Sammlerinnen mit ihrer wunderschönen neuen Handtasche J

 

Die Sammlung

 

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg durch das Dorf und zu den zertifizierten Wildflächen, auf denen unsere Sheanüsse gesammelt werden.

Wir lernen einiges über die Wildsammlung:

 

  • Erst ab einem Alter von etwa 20 Jahren kann der Sheanussbaum, auch Karitébaum oder Butterbaum genannt, erstmalig geerntet werden und  erst mit circa 50 Jahren hat der Baum seine volle Ertragskraft erreicht.
  • Sie gedeihen aufgrund der klimatischen und ökologischen Voraussetzungen nur am sogenannten Sheagürtel in Westafrika.
  • Shea wird auch als „Womans Gold“ bezeichnet, da nur die Frauen damit handeln dürfen, es lange haltbar ist und auch erst eingetauscht werden kann wenn etwas benötigt wird.
  • Die Frauen sammeln die Nüsse morgens auf dem Weg zum Feld auf und kochen sie abends bei sich zu Hause. Wenn sie Zuhause keine Möglichkeit haben die Nüsse zu kochen, kochen sie sie bei der Sammelstelle im Dorf.
  • Sheanüsse werden nur vom Boden aufgesammelt und nicht vom Baum gepflückt
  • Die Sammlung erfolgt nur in der Regenzeit
  • Die Sammlung erfolgt in Wildsammlung in zertifizierten Gebieten, in denen nur biologisch angebaut werden darf
  • Es gibt keine Shea-Plantagen, die Bäume stehen vereinzelt auf den Feldern, z.B. wie hier zwischen den Erdnüssen für den Eigenbedarf
  • Das Fruchtfleisch um die Sheanüsse kann man essen – schmeckte uns pur aber nicht so besonders. Es wird wirklich alles der Pflanze verwendet.
  • Die Sheanüsse werden in Schalen, wie in Burkina Faso üblich, auf dem Kopf transportiert. Wir versuchen auch, die Schalen auf unseren Köpfen zu balancieren, ernten aber nur Gelächter.
  • Die Nachverfolgbarkeit ist beeindruckend. Die Manufaktur hat von allen (über 300) Sammlerinnen die Kontaktdaten, die genaue Angabe wo das zertifizierte Gebiet liegt, was sonst noch dort angebaut wird, wie viele Sheabäume auf dem Feld stehen und mit wie viel kg Nüssen von diesem Baum zu rechnen ist. Die Nachverfolgbarkeit zieht sich bis zur fertigen Butter durch, bei der auch bei jedem kg dokumentiert ist welche Nüsse von welcher Sammlerin die die jeweilige Charge geflossen sind.
  • Die Frauen verkaufen gerne an die Manufaktur, da sie dort einen höheren Preis als den Marktpreis erzielen.
  • Die Butter wird in Afrika seit Jahrhunderten als Speisefett und für die Kosmetik verwendet.
  • Die Verkaufseinheit ist auf dem Markt für Sheanüsse und andere Waren des täglichen Bedarfs eine (Einheits-)Schale.

 

Kochen und Sortieren der Nüsse im Dorf

Durch das Kochen werden die Nüsse haltbar und die Nuss löst sich innen von der Schale, was das Knacken und Entfernen der Schale später deutlich vereinfacht.

Die Kinder

Da noch Schulferien sind, schauen die Kinder des Dorfes ganz gespannt den fremden Besuch an – erst schüchtern aus der Ferne, dann immer offener. Sie finden es so spannend sich die Fotos anzuschauen, die wir von ihnen gemacht haben.
Bei der Verabschiedung freuen sie sich, dass wir ihnen allen die Hand geben. Sie wollen immer wieder die Hand geben und strahlen uns an. Es macht ihnen Spaß,  sich in Auto zu spiegeln. Sonst haben sie scheinbar nicht die Gelegenheit, sich ganz im Spiegel zu betrachten.

Franzi möchte das Baby, das sie auf den Arm bekommt am liebsten gar nicht mehr zurückgeben.

 

 

 

 

 

Das Geschenk

Zur Verabschiedung wird wieder viel gesungen, geklatscht und getanzt. Die Menschen in Burkina Faso lieben das Singen, Klatschen und Tanzen. Auch während der Arbeit in der Manufaktur, wenn wir nicht zu Besuch sind, singen die Frauen viel bei der Arbeit. Wir tanzen und klatschen mit den Frauen im Kreis. Es ist sehr festlich und lustig und zur Verabschiedung bekommen wir ein lebendes Huhn und einen lebenden Hahn geschenkt. Wir nennen sie Paul und Paula. Auch wenn meine Familie in Deutschland die Tiere gerne „aufnehmen“ möchte, denke ich, dass es Schwierigkeiten bei Transport und Zoll geben wird und wir beschließen die beiden schweren Herzens zu essen. Eva und ich essen eigentlich kein Fleisch, machen hier jedoch eine Ausnahme. Und man muss sagen…sie waren auch köstlich.

(Bild: Hans-Peter, Gaosu, Paul und Paula)

 

Der Dorfladen

Wir sind auch auf den Dorfladen gestoßen, der NOCH keine Natur Compagnie-Brühwürfel führt. Die Brühwürfel werden immer einzeln verkauft. In Westafrika wird sehr viel mit Brühwürfeln gewürzt. Maggi als Hauptanbieter verkauft laut Eigenaussage täglich bis 100 Millionen Brühwürfel nach Westafrika.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sheabutter-Herstellung

 

Nach einem spannenden Tag im Dorf haben wir uns in den nächsten Tagen die beiden Projekte Ragussi und ABPJF, die dortige Sheaproduktion von der Nuss bis zur Butter und die sozialen Einrichtungen angeschaut. Beide Projekte sind Bio- und Fair Trade zertifiziert.

Beide Projekte waren sehr offen und ehrlich und sind auch auf kritischere Fragen gerne eingegangen. Die Sheabutter-Herstellung erfolgt in vielen verschieden Schritten und ist sehr aufwendig. Die Schritte unterscheiden sich leicht bei beiden Projekten, da sie unterschiedliche Maschinen zur Verfügung haben.

Die Verarbeitung von der Nuss bis zur Sheabutter erfolgt in zwei Tagen. Eine längere Verarbeitungsdauer würde die Qualität der Sheabutter negativ beeinflussen.

Die Frauen in der Manufaktur sind in 10er-Gruppen aufgeteilt, die alle Schritte der Shea-Produktion durchlaufen. Die jüngeren Frauen übernehmen die körperlich anstrengendere Arbeit und die älteren Frauen kümmern sich oft um die kleineren Kinder, die noch nicht in die Schule gehen können.

 

 

Bild: Sheanüsse mit Schale (rechts) und geschälte Nüsse, auch Mandeln genannt (links)

 

 

Hier finden wir die Nüsse aus dem Dorf wieder. Die Nummer auf dem Sack beschreibt, von welcher Frau die Nüsse sind, von welchem Gebiet und wann sie verpackt wurden.

Sortieren der Nüsse

Die Nüsse werden immer wieder sorgfältig begutachtet und die schlechten Nüsse aussortiert. Die Nüsse schlechterer Qualität werden auf dem Markt verkauft oder in der maschinellen Produktion verwendet. Für die Manufaktur sind sie dann nicht mehr geeignet.

 

Waschen der Nüsse

Zunächst werden die Mandeln 1x gewaschen, dann kommen sie in den Holztrog und werden mit langen Holzstößeln durch Stoßbewegungen von oben nach unten abwechselnd im Kreis von drei Frauen bewegt. Dadurch reiben die Mandeln aneinander und sollen sauberer werden. Nach einiger Zeit werden diese in die jeweils nächsten Bottiche mit Wasser zum Waschen gegeben und mit einem groben Sieb entnommen und in das nächste Gefäß mit Wasser gegeben.

   Bei ABPJF

   Bei Ragussi

 

Knacken der Nüsse

 

Sortieren der Mandeln

Die Mandeln werden draußen ausgebreitet und sortiert. Von 100 kg werden ca. 3 kg aussortiert.

 

Erste Mahlung

In der ersten Mahlung werden die Shea-Mandeln in ca. 2-5 mm große Stücke gemahlen.

 

Rösten der Stücke

Die gemahlenen Stücke werden geröstet.

 

Zweite Vermahlung: Vermahlung zu Pulver

Jetzt werden die gerösteten Stücke gemahlen. Heraus kommt ein sehr fettiges dunkelbraunes Mehl.

Verbutterung

Die Verbutterung erfolgt im ersten Schritt bei Ragussi in einem großen Mischer unter Zugabe von Wasser. Da die Butter jedoch sehr empfindlich ist, wird sie in einem langsamen Prozess von Hand sehr vorsichtig und gemächlich massiert, bis die Butter sich oben absetzt. Diese wird zu Butterballen geknetet, die abgenommen und von Hand gepresst werden und in ein anderes Gefäß gegeben werden. Während des Prozesses wechselt die Farbe von einem dunklen Schokoladenbraun bis zu einer sehr hellen Butter.

Franzi und Hans-Peter helfen bei der kompletten Verbutterung. Es ist wirkliche ein extrem aufwändiger und langwieriger Prozess – aber es gibt keine Maschine, die diesen Prozess entsprechend übernehmen könnte.

     

Kochen

Die Butter-Emulsion wird 2 Stunden aufgekocht bis sie sehr durchsichtig wird und sich die Feststoffe auf dem Boden absetzen. Die Reste (Feststoffe) werden später zu Kugeln geformt und als Brennstoff für das Feuer verwendet.

Erste Filterung

 

Erneutes Kochen

Die Sheabutter wird noch einmal gekocht, um Wasser aus der Butter zu entfernen. Dadurch verbessern sich Qualität und Haltbarkeit.

Zweite Filterung

Die zweite Filterung erfolgt durch eine Filter-Maschine. Die flüssige Butter wird in Kisten oder Tonnen gefüllt.

Lagerung / Freigabe durch externes Labor / Versand

Die Butter, die bei Zimmertemperatur fest wird, wird in Kartons (für uns) oder Tonnen gefüllt. Die Butter wird durch ein externes Lobor geprüft und nach Freigabe versendet.

 

 

 

Die Schule

 

Die Stiftungen unterstützen verschiedene soziale Projekte. Neben HIV-Tests und -Aufklärungen, gemeinsamen Mittagessen, einem gemeinsamen Garten, kulturellen Veranstaltungen und der gemeinschaftlichen Unterstützung wurde auf beiden Betriebsgeländen eine Schule eingerichtet.

In Burkina Faso beträgt die Analphabeten-Quote 75%, wobei deutlich mehr Männer als Frauen lesen und schreiben können. Die Frauen haben die Möglichkeit in den beiden Schulen lesen und schreiben zu lernen.

Die Schulausbildung läuft über 5 Jahre, unterteilt in 3 Klassen, von der die dritte Klasse 3 Jahre lang dauert.

Die Frauen haben 2 Stunden Unterricht in der Schule, dann gehen Sie zur Arbeit in der Manufaktur, die auf dem gleichen Gelände liegt.

Es werden in Burkina Faso insgesamt 68 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Auch wenn die Amtssprache Französisch ist, sprechen viele die Sprache nicht. Die Dialekte sind oft so unterschiedlich, dass sie einen anderen Dialekt nicht verstehen können.

Beide Schulen starten ihren Unterricht im Dialekt Mòoré (Sprache der Mossi). Bei ABPJF wird in der zweiten Klasse mit Französisch gestartet bis der ganze Unterricht nur noch auf Französisch stattfindet. Bei Ragussi findet der gesamte Unterricht im Dialekt statt.

Wer mag, kann die Schule auch mehrmals besuchen, wie Fati (70 Jahre alt), mit der wir ein Interview geführt haben.

 

 

Gemeinsames Kochen (Natur Compagnie meets Igname)

 

Wir kochen mit unseren Gastgebern bei ABPJF. Auch in Burkina Faso ist Kochen nicht immer Frauensache. Gaosu erklärt uns, dass er viel in der Küche macht und dass es am Muttertag üblich ist, dass der Ehemann für die Frau etwas Gutes zu Essen zubereitet.

Es gibt Igname, eine fette Wurzel, die auch unter dem Namen Jamswurzel bekannt ist. Zubereitet mit unseren Natur Compagnie Gemüsebrühwürfeln.

Wir schälen die zwei Igname-Wurzeln mit einem Messer und würfeln sie. Zwiebeln und Tomaten werden direkt ins Wasser geschnitten. Ein guter Tipp, denn so gibt es auch keine Tränen beim Zwiebelschneiden. Die Wurzeln werden mit den Zwiebeln und Tomaten im Wasser auf dem Feuer gekocht und mit Salz, Tomatenmark und 3 Natur Compagnie Gemüsebrühwürfeln abgeschmeckt.

Wir stellen zwei Bänke in den Schatten und genießen das Essen. Dazu gibt es Mango-Orangensaft.       

 

 

Interviews

 

Interview mit Ouednaoga Asseta, 84 Jahre alt

arbeitet seit 1998 (Gründung) bei ABPJF

 

Was bedeutet ABPJF für dich?

ABPJF gibt mir das Geld für meine Bedürfnisse, die ich dringend benötige. Ich bete dafür immer (hier) Arbeit haben zu dürfen.

Was hat sich vor / nach ABPJF verändert?

Vorher haben wir versucht, von der Landwirtschaft zu leben, aber hier ist es sehr trocken und der Ertrag war nicht sehr hoch. Es gab oft schlechte Ernten. Wir haben versucht, unsere Erzeugnisse auf dem Markt zu verkaufen, was sich sehr schwierig gestaltet hat. Jetzt sind wir zum Glück nicht mehr darauf angewiesen und die Arbeitsverhältnisse sind viel besser. Die Arbeit ist nicht mehr so schwer (körperlich anstrengend) und wir arbeiten und essen gemeinsam wie in einer Familie hier.

Wie unabhängig bist du im Umgang mit deinem Geld?

(Erst völlig verwundert über die Frage, antwortet dann bestimmt) ich arbeite selbst (hart) – dann behalte ich es natürlich auch und bestimme was damit passiert.

Was kannst du dir jetzt besonderes leisten?

 

Kleider, Essen und anderes… Ich kann mir alles kaufen was ich brauche. Kein Auto – aber alles was ich benötige. Als alte Frau brauche ich nicht viel. Ich kaufe zum Beispiel (gerne) Kleidung für die Enkel. Das macht alle so froh.

Was machst du bei ABPJF genau?

Ich bin für die Knetmaschine verantwortlich.  (Anm: Generell arbeiten immer 10 Frauen in einer Gruppe, die alle Stufen der Sheaherstellung durchlaufen. Die jüngeren Frauen übernehmen die körperlich anstrengendere Arbeit und die älteren Frauen kümmern sich auch um die kleinen Kinder und Babys, die noch nicht zur Schule gehen.)

Wie gefällt dir die Arbeit  bei ABPJF?

Ich mag sie sehr gerne. Einmal musste ich zuhause bleiben, weil ich Knieschmerzen hatte. Das war so langweilig! Ich genieße es, mit den anderen Frauen zu reden. Das Zusammensein ist schön, ich sehe meine Enkel hier und wir singen viel gemeinsam.

Findest du, dass du fair bezahlt wirst?

Ja, ich bin zufrieden mit der Bezahlung. Sonst würde ich auch nicht mehr hier arbeiten. (Anm. Alle Frauen, die in der Manufaktur (Stiftung) arbeiten bekommen das gleiche Gehalt).

Was wünscht du dir für die Zukunft für ABPJF /das community center?

Nach mir sollen auch meine Kinder und Enkel verstehen, was wir hier tun und wie sinnvoll das ist. Sie sollen das fortsetzen, was wir hier geschaffen haben und das Community Center erhalten.

Arbeitet noch jemand aus deiner Familie hier?

Meine Tochter hat hier gearbeitet – aber Sie hat Nackenschmerzen bekommen und dann aufgehört. Meine Schwiegertochter wird hier anfangen zu arbeiten, aber jetzt bekommen Sie erst einmal 2 Babys. (Wenn die beiden groß genug sind wird sie hier anfangen.)

Benutzt du Sheabutter auch bei dir Zuhause? Wenn ja wofür?

(lacht) Ich koche damit, creme mich damit ein und nutze es für die Haarpflege. Unter meinem Tuch habe ich ganz, ganz lange Haare! Die pflege ich auch mit Shea.

Kennst du Natur Compagnie?

Nein. (Wir zeigen ihr die Brühwürfel in denen die Sheabutter verarbeitet wurde. Sie lacht und öffnet einen Brühwürfel, probiert mit dem Finger)

Hmm, lecker!

Wie Maggi?

(Empört) in Bio, und mit eurer Sheabutter!

(Freut sich sehr) Wo kann ich das kaufen? Kann ich die behalten? (Wir bejahen. Sie freut sich riesig, bedankt sich überschwänglich bei allen, gibt allen die Hand und steckt die Würfel verschmitzt lächelnd in die Tasche Ihres bunten Kleides. Sie kann es kaum fassen. Bisher kennen Sie nur die Butter als unraffiniertes Rohprodukt zum Kochen und die Kosmetikprodukte wie Cremes, Seifen und Haarpflegeprodukte. Wir freuen uns sehr, dass unsere Brühwürfel so gut ankommen und die Frauen so stolz darauf machten was sie herstellen und auch verstehen, in welche Verwendung dies fließt.)

(Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist) Wir haben noch eine allerletzte Frage: du bist 84 Jahre alt, du siehst so toll und fröhlich aus, du bist so vital, du tanzt und singst, was ist das Geheimnis einen langen vitalen Lebens?

(lacht) Da gibt es kein Geheimnis. Essen, baden/waschen mit Wasser, das nicht zu kalt und auch nicht zu heiß ist – und dann natürlich mit Sheabutter einreiben von oben bis unten (zeigt wie sie es macht und lacht).

Das machen wir ab sofort auch immer! Vielen herzlichen Dank für das tolle und interessante Gespräch.

Interview mit Ilboudo G. Fati Nr. 1

(Es gibt zwei Fatis bei ABPJF), 70 Jahre alt, arbeitet seit 1998 (Gründung) bei ABPJF

Was bedeutet ABPJF für dich?

Ich bekomme durch die Arbeit Befriedigung  auf verschiedenste Weise. Es ist wie in einer Familie hier. Ich mag die Arbeit, die Beziehung zu den anderen Frauen, die Freundlichkeit und das Geld.

Die Arbeit ist gut, aber es wäre schön, wenn wir noch mehr Bestellungen hätten.

Welche Arbeit machst du am liebsten? (Wir essen frische Erdnüsse)

Ich mag das Sortieren der Nüsse, dabei kann man sitzen. Grundsätzlich übernehmen aber die jüngeren die schwere körperliche Arbeit.

ABPJF bietet kostenlosen Unterricht während der bezahlten Arbeitszeit an. Hast du auch schon einmal an dem Unterricht teilgenommen?

Ich habe letztes Jahr mit dem Kurs gestartet und dann aber wieder abgebrochen. Es war aber das zweite Mal, dass ich an der gleichen Unterrichtsreihe teilgenommen habe. Im Februar 2006 war ich mit der Ausbildung fertig und habe jetzt einfach noch ein zweites Mal gestartet. In dem Kurs habe ich schreiben, lesen und rechnen gelernt.

Findest du es wichtig für die Frauen, hier schreiben und lesen zu lernen?

Ja, sehr wichtig. Ich habe jetzt auch ein Handy. Jetzt kann ich telefonieren und Textnachrichten schreiben, (das konnte ich vorher nicht.) (Zeigt ihr Handy)

Mit wem sprichst du / schreibst du dann?

Mit meinen Kindern und Enkeln. Meine Tochter arbeitet auch hier.

Ich bin sehr froh, dass ihr hier seid.